Unsere Überzeugungen

2002 hat unsere Gemeinde (Evangelisch Freikirchliche Gemeinde Herford) die nachfolgenden Überzeugungen formuliert und damit übereinstimmende theologische Ansichten zum Ausdruck gebracht.

1. Wir sind davon überzeugt, dass das Bekenntnis „Jesus ist Herr“ zur weltweiten Gemeinde Christi hinzufügt.

Erläuterung: Das Bekenntnis „Jesus ist Herr“ ist das neutestamentliche Urbekenntnis der frühen Christenheit (1. Kor 12,3) und ist persönlicher Ausdruck des Glaubens. Mit diesem Bekenntnis werden die Göttlichkeit Jesu, seine enge Zugehörigkeit (Sohnschaft) zum Gott Israels und die Menschwerdung des Gottessohnes in Jesus von Nazareth, sein Kreuzestod und seine Auferweckung nach drei Tagen und seine Einsetzung zum Herrn aller Herren (Phil 2,6-11) unausgesprochen ausgedrückt.

2. Wir sind davon überzeugt, dass die Taufe Ausdruck des persönlichen Glaubens an Jesus Christus ist.

Erläuterung: Das Angebot Jesu, die Sünden zu vergeben, ermöglicht die Erkenntnis der Sünde (Lk 5,8; Lk 19,1-10). Sünde ist dabei nicht einfach die Summe aller Verstöße gegen Gottes Gebote, sondern viel mehr noch die dahinterstehende Abkehr von Gott, die aus eigener Leistung nicht mehr rückgängig zu machen ist (Römer 1 / Römer 2 / Römer 3) . Die durch den Geist Gottes gewirkte Sündenerkenntnis schließt notwendigerweise das Sündenbekenntnis ein. Christen sprechen von Buße, um die Reue über die Sünde, und von Umkehr, um die nun mögliche Hinwendung zu und lebendige Beziehung mit Gott zu bezeichnen. Diese wird schlicht mit „Glauben“ im Sinne des wieder ermöglichten Urvertrauens des Menschen zu Gott ausgedrückt, das der Heilige Geist wirkt. Umkehr und Glaube verlangen ein klares Bekenntnis zu Jesus Christus. Jesus selbst ließ sich taufen (Mt 3,13-17) um sich mit den Menschen solidarisch zu zeigen (Mt 3,15), die zu retten er gekommen ist. Und er trug seinen Jüngern auf, die Menschen zum Glauben zu führen und dann zu taufen (Mk 16,15-16). Deshalb verstehen wir die Taufe auch als ein solches gefordertes Bekenntnis zu Jesus Christus, dem sich der Täufling mit seiner ganzen Existenz unterstellt.

3. Wir sind davon überzeugt, dass die Taufe in eine Gemeinde eingliedert.

Erläuterung: Im Neuen Testament schloss die Taufe ein, dass die Getauften nun zur Gemeinde vor Ort gehören (Apg 2,41). Eine Ausnahme ist die extreme Diasporasituation, wie sie in der biblischen Geschichte des äthiopischen Ministers anklingt (Apg 8,26-39), der in seine Heimat zurückkehrte, in der es noch keine Gemeinde gab. Die Taufe setzt keinen Schluss- sondern einen Doppelpunkt. Der Getaufte beginnt nun sein Leben verantwortlich als Christ zu gestalten (Kol 3, bes. 9-10). Dabei ist er auf die Hilfe der „Schwestern und Brüder in Christus“ angewiesen wie sie auf ihn. Die Gemeinde als eine verbindliche christliche Lebensgemeinschaft bietet den Raum, in dem die Christen für ihre christliche Existenz zugerüstet werden sollen. Sie ist Teil des weltweiten Leibes Christi und macht ihn am Ort sichtbar.

4. Wir sind davon überzeugt, dass der Glaube an Jesus Christus Begegnungen mit ihm suchen lässt und benötigt.

Erläuterung: Eine lebendige Beziehung gibt es nicht ohne Begegnungen und Kommunikation. Das gilt auch für den Glauben an Jesus Christus und die Gotteskindschaft. Gott möchte den ganzen Menschen heilend verändern, Verstand, Gefühl und Wollen (Röm 12,1-2; 1. Kor 3,16). Der Glaube braucht immer wieder den Zuspruch der Liebe Christi und den Anspruch des göttlichen Willens. Wie der Einzelne seine „Zeit für Gott“ gestaltet, ist stark abhängig von der Persönlichkeit und der Prägung. Unverzichtbare Bestandteile einer persönlichen Spiritualität sind das forschende Lesen der Bibel und das Gebet, beides als Gespräch mit Gott verstanden. Ebenso unverzichtbar ist es, mit anderen gemeinsam auf Gott zu hören, miteinander zu beten und Gott zu loben (Kol 3,15-16). Dies geschieht mit der gesamten Gemeinde im sonntäglichen Gottesdienst und in der persönlichen „Zeit für Gott“.

5. Wir sind davon überzeugt, dass volle Hingabe an Christus und aktive Teilnahme am Gemeindeleben selbstverständlich für jeden Christen sind.

Erläuterung: Gott schenkt ewiges Leben, das schon jetzt unser menschliches Leben verändert und durchdringt (2. Kor 5,17; Gal 5,22-26). Gott zu kennen und Jesus Christus nachzufolgen und zu dienen ist die großartigste und wichtigste Sache der Welt (Mt 6,33).
Die lebendige Beziehung zu Jesus Christus lässt jeden Christen beständig die Gemeinschaft mit anderen Christen suchen. Dies geschieht insbesondere im Gemeindegottesdienst, in dem alle miteinander Gott feiern und auf Gottes Wort hören (Apg 2,42; Hebr 10,25). Jeder ist lebendiges Glied einer Gemeinde, er hat seine Gaben und Fähigkeiten, die er in das Leben der Gemeinde und zur Erfüllung ihres Auftrags einbringt (1. Kor. 12). Die finanziellen Lasten werden gemeinsam getragen, indem jeder freiwillig nach seinen Möglichkeiten spendet. Dabei gilt der Zehnte (vom Nettoeinkommen) als biblische Maßgabe (4. Mo 18,8-32) für den regelmäßigen Gemeindebeitrag. Darüber hinaus gebietet uns das Wort Gottes, zum Teilen bereit zu sein und Notleidenden zu helfen (Apg 4,32-35; Jak 2,14-17). Dabei ist immer zu erinnern, dass Christus uns zur Freiheit berufen hat (Gal 5,1-14). Andererseits muss die Gemeinde um der Menschen und ihrer selbst willen auch Grenzen ziehen. Wenn ein Gemeindemitglied über längere Zeit hinweg nicht am Gemeindeleben teilnimmt, und wenn trotz mehrfacher Gesprächsangebote oder geführter Gespräche keine Veränderung spürbar ist, wird die Gemeinde das formal nachvollziehen und ihn von der Mitgliedsliste streichen. Davon ausgenommen sind natürlich Gemeindemitglieder, die aus einsichtigen Gründen nicht mehr am Leben der Gemeinde teilnehmen können.

6. Wir sind davon überzeugt, dass die Bibel Richtschnur für das Leben des Christen und der Gemeinde ist.

Erläuterung: Die Bibel ist Gottes lebendiges Wort. Sie zeugt von dem Schöpfer, dem Erhalter und dem Retter der Welt, genauso aber von dem heiligen Gott, der diese Welt und die Menschen richten wird. Sie lädt ein, durch Jesus Christus Kind Gottes zu werden und sich durch Gottes Geist zu einem neuen Leben verändern zu lassen. Für dieses neue Leben als Gotteskinder und Nachfolger Jesu haben wir keinen anderen Maßstab, keine andere Richtschnur als die Bibel. Da sie Gottes Wort in menschlicher Sprache ist, bedarf sie der Erklärung durch den Heiligen Geist. Christliche Existenz verwirklicht sich nicht im sturen Befolgen von Buchstaben, sondern darin, dass wir uns den Willen Gottes zu Herzen nehmen, der uns bis in unser Innerstes hinein verändern kann. (Jer 31,33; Hes 11,19; Röm 12,1-3)

7. Wir sind davon überzeugt, dass Ermutigung und Ermahnung untereinander für einen gesunden Glauben notwendig sind.

Erläuterung: Die Gemeinde hat einen Hirten: ihren Herrn Jesus Christus. Er kümmert sich um die Seinen (Joh 10,14.16.27-28). So ist jedes Gemeindeglied natürlich für sich selbst verantwortlich (1Kor 11,28; Gal 6,4-5). Die Seelsorge Jesu geschieht aber vor allem dadurch, dass er die Gemeindemitglieder auch füreinander verantwortlich macht (Mt 18,6.12-14.15-20; Gal 6,1-2). Diese gegenseitige Seelsorge beginnt in Familie und in freundschaftlichen Beziehungen, braucht darüber hinaus aber auch engere persönliche Kontakte in einer Kleingruppe der Gemeinde. Dort können alltägliche Nöte genauso wie Glaubenszweifel ausgesprochen und praktische Hilfe und Fürbitte geleistet werden. Für bestimmte Zeiten (nicht nur Krisenzeiten!) ist eine Seelsorgepartnerschaft mit einem oder zwei anderen Christen eine segensreiche Sache. Die Wege, die in guten Zeiten angelegt wurden, können in Krisen festen Grund unter den Füßen bieten.

8. Wir sind davon überzeugt, dass der Glaube an Jesus Christus sich in der Lebensführung auswirkt.

Erläuterung: Die Bibel beschreibt die Veränderung des Menschen durch Gottes Geist mit unterschiedlichen Begriffen und Bildern, z.B. dem des Kleiderwechsels (Kol 3,1-17), der Heiligkeit (1Kor 3,17; 6,19-20) oder dem der Sünde gestorben sein und neues Leben haben (Röm 6,1-11). Jeder Christ ist vom Heiligen Geist erfüllt. Der Geist wirkt Frucht im Leben des Menschen, sein ganzes Verhalten wird durch ihn verändert und zunehmend bestimmt (Gal 5,22-26). Die Gebote Gottes lehren ihn, nach dem Willen Gottes zu leben.
Eine Aufgabe der Gemeinde ist es, einander die Gebote Gottes zu lehren (Mt 28,20a) und sich zu helfen, nach ihnen zu leben (1. Thess 5,14-15; Hebr 10,24). Gemeinde trägt mit an der Schuld einzelner (Gal 6,1-2). Sie bemüht sich, dass er Schuld erkennt, bekennt und Vergebung erfährt. Wenn jemand schuldig wird und in der Schuld verharrt, wird die Gemeinde irgendwann seinen Schritt aus der Gemeinschaft der Gemeinde formell nachvollziehen (Mt 18,15-17). Dabei lässt sie sich von der Langmut Gottes, dem Wissen um die eigene Unzulänglichkeit (Joh 8,1-11) und dem Wunsch leiten, diesen Menschen zu retten (1. Kor 5).

9. Wir sind davon überzeugt, dass Evangelisation und Diakonie zentraler Auftrag der Gemeinde sind.

Erläuterung: Gemeinde ist nicht Selbstzweck. Sie ist von Jesus Christus gegründet, um sein Werk in dieser Welt fortzusetzen (Mt 28,16-20). Zentraler Auftrag ist es, die Menschen zur Umkehr und zum Glauben an Jesus Christus einzuladen. Dabei wird Gemeinde immer wieder neue Wege suchen, um möglichst vielen Menschen das Evangelium nahe zu bringen und die Einladung Gottes verständlich zu machen. Die helfende Zuwendung ist gewissermaßen die andere Seite der Medaille. Gemeinde setzt sich für Menschen ein, die Hilfe brauchen, und bringt ihnen so ganz praktisch die Liebe Gottes nahe. Evangelisation und Diakonie werden gleichermaßen von der Liebe Gottes zu den Menschen gespeist, wie sie im Leben Jesu sichtbar wurde. Diese Liebe verhindert, dass das missionarische Engagement der Gemeinde als Seelenfängerei missverstanden wird, und führt dazu, dass es allen Menschen unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Herkunft gilt.

10. Wir sind davon überzeugt, dass Gemeinde in einem ständigen Veränderungsprozess ist.

Erläuterung: Die Gemeindearbeit muss in ihren Strukturen und Formen immer wieder den Anforderungen der Zeit angepasst werden, um den Auftrag Jesu möglichst gut zu erfüllen. Unverrückbare Konstante ist das Fundament Jesus Christus (1. Kor 3,10-11). Eine lebendige Beziehung – die „erste Liebe“ (Offb 2,4) – treibt uns dazu, Jesu Auftrag – die „ersten Werke“ (Offb 2,5) – kreativ auszuführen. Gottes Geist leitet die Gemeinde in diesem ständigen Prozess der Veränderung und Erneuerung (Apg 6,1-7).

11. Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen gleichermaßen wertzuschätzen sind.

Erläuterung: Die Bibel macht deutlich, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und er alle gleichermaßen liebt. Gemeinde lebt als Leib des Christus untereinander diese gegenseitige Wertschätzung ungeachtet aller Unterschiede. Sie wird darauf achten, dass sie keinen übersieht oder vergisst. Die Bibel fordert immer wieder dazu auf, sich so für Kinder, Alleinstehende und -erziehende („Witwen und Waisen“) und alte Menschen in besonderer Weise einzusetzen und sie zu achten (Mt 18,1-5; 19,13-15; 2Mo 20,12; Spr 23,22; 3. Mo 19,32; 1. Tim 5,1). In unserer Gemeinde ist schon immer viel Wert auf eine gute Arbeit an und mit Kindern gelegt worden. „Gemeinde ist die Zukunft der Jugend“ (nicht umgekehrt!). Damit Kinder und Jugendliche in der Gemeinde ihre Zukunft entdecken, muss Gemeinde viel investieren und ihnen entsprechend ihrem Alter Freiraum geben, um die Liebe Gottes und ihre eigenen Möglichkeiten entdecken zu können, Gott zu dienen.

Immer mehr Menschen leben allein. Auch die Zahl der Alleinerziehenden nimmt zu. In unserer Gemeinde hat traditionell die Familie ein großes Gewicht. Hier gilt es weiterhin zu investieren. Gleichzeitig muss Gemeinde aber auch zunehmend für Alleinstehende und -erziehende sensibel sein, um deren Bedürfnisse wahrzunehmen und ihnen Gemeinschaft zu ermöglichen.

Alte Menschen bedürfen unserer Achtung für ihren über viele Jahre, oft Jahrzehnte hinweg gelebten Glauben. Insbesondere hinfälligen und einsamen Menschen soll die Gemeinde vermitteln, dass sie immer noch wertvoll und geliebt sind und als „Mütter und Väter in Christus“ gebraucht werden.

12. Wir sind davon überzeugt, dass Leitung notwendig ist und bedeutet, einzelne, Gruppen und Gemeinde so zu führen und zu fördern, dass Begabungen entfaltet, Veränderungen bewältigt und Ziele erreicht werden können.

Erläuterung: Leitung wird es immer geben, wenn Menschen zusammen leben. Die Frage ist, ob sie verdeckt ist oder offen und strukturiert geschieht. Die Bibel plädiert eindeutig für letzteres (2. Mo 3; 18,13-26; 1. Thess 5,12-13 u.a.). Leitung darf nicht als Machtposition missverstanden werden, sondern ist in erster Linie Funktion: Dienst an der und für die Gemeinde (Mk 10,42-45). Leiten soll, wer dazu begabt (1. Kor 12,28) und von seiner Persönlichkeit befähigt ist (1. Tim 3,1-7). Wer leitet, kann nur echt sein und bleiben, wenn er sich als Vorbild für andere begreift. Wer leitet, braucht als Erstes den Willen zur Führung. Leitung hat immer das Ganze im Blick, bemüht sich um gute Kommunikation mit allen und ist auf das Wohl aller angelegt. Leitung braucht Visionen oder klare Ziele und bemüht sich, notwendige Veränderungen möglichst frühzeitig und verständlich einzuleiten. Leitung bemüht sich um das Gleichgewicht im gesamten sozialen Umfeld der Gemeinde. Leitende delegieren und motivieren zur Mitarbeit, sie leiten an und begleiten andere zur Leitungsfunktion. Leitende sind aber immer zuerst und vor allem ihrem Herrn verantwortlich. Eine gute Führungskraft ist deshalb von tiefer Ehrfurcht vor Gott und Achtung vor den Menschen erfüllt.